So berechnen Sie Ihr Honorar als Freelancer

Sie haben sich selbstständig gemacht, die Formalitäten erledigt und sich auf Kundenakquise begeben? Spätestens dann stellt sich Ihnen die Frage, wie viel Lohn Sie für Ihre Leistung in Rechnung stellen.


Einerseits wollen Sie den Preis nicht zu hoch ansetzen, um Kunden zu gewinnen und konkurrenzfähig zu sein. Andererseits müssen Sie von Ihren Einnahmen leben und ausreichend Gewinn verzeichnen. Die goldene Mitte zwischen beidem zu finden ist nicht immer einfach! Wir haben Ihnen ein paar Punkte zusammengestellt, die Ihnen bei der Preiskalkulation helfen können.


Den Stundenlohn berechnen


Wenn Sie als Freelancerin oder Freiberufler Ihren Stundenlohn oder Tagessatz berechnen, müssen Sie bei Ihrer Kalkulation der Zahlen drei Punkte beachten, um genügend Geld zu verdienen:

  • die Anzahl Ihrer produktiven Arbeitstage,

  • die Kosten und Ausgaben, die auf Sie als Freelancer zukommen sowie

  • den Gewinn, den Sie auf Ihrem Umsatz erwirtschaften möchten.


So berechnen Sie als Freiberufler Ihre produktiven Arbeitstage


Damit Sie als Freelancer jeden Monat genügend Euro erwirtschaften und von Ihrem Gehalt leben können, müssen Sie für Ihre Kalkulation natürlich wissen, wie viele produktive Arbeitstage Sie Ihren Kunden als Honorar in Rechnung stellen können.

Für die Berechnung der produktiven Arbeitstage ziehen Sie von den 365 Tagen des Jahres einfach folgende Zahlen ab:

  • Wochenenden (im Schnitt 104 Tage)

  • Feiertage, die auf einen Wochentag fallen (im Schnitt 13 Tage)

  • Urlaubstage (in der Regel 25 bis 28 Tage)

  • Krankheitstage (im Schnitt 10 Tage)

  • Weiterbildungstage (je nach Branche bis zu 30 Tage)

  • Kundenakquise und administrative Arbeiten wie Buchhaltung etc. (je nach Branche, Erfahrung und Bekanntheit zwischen 12 und 30 Tage)

Nutzen Sie als Freelancer oder Freiberuflerin jede Möglichkeit, unproduktive Stunden für administrative Arbeiten und Buchhaltung zu reduzieren, zum Beispiel, indem Sie ganz einfach ein flexibles Geschäftskonto für Ihre Finanzverwaltung und papierlose Buchhaltung eröffnen. Diese Kontoeröffnung dauert nur 10 Minuten. Damit können Sie anschließend Monat für Monat viel Zeit gewinnen.


Wenn Sie die Berechnung oben gemacht haben, kommen Sie bei der Kalkulation der Zahlen auf rund 200 Arbeitstage, die Ihnen pro Jahr bleiben, um Ihren Umsatz und damit Ihr Einkommen zu generieren. Jedoch sind Freelancer – je nach Tätigkeit und Kundenstamm – selten zu 100 % ausgelastet. 70 % sind da schon ein realistischerer Wert. Es bleiben nun also noch 140 Arbeitstage, die Sie tatsächlich produktiv nutzen und als Honorar in Rechnung stellen können, um Ihr Einkommen zu verdienen.


Bei einem durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden stehen Ihnen damit pro Jahr rund 1120 produktive Arbeitsstunden zur Verfügung, um Ihr Gehalt zu erwirtschaften. Im Monat sind das rund 90 Stunden.


Kosten und Ausgaben in der Selbstständigkeit


Frischgebackenen Freelancerinnen und Freiberuflern ist oft nicht bewusst, welche zusätzlichen Kosten und Ausgaben – im Vergleich zu Angestellten – auf sie zukommen.

Dies beginnt beim Arbeitsmaterial. Während Angestellten von Unternehmen alles zur Verfügung gestellt wird, müssen Sie als Freelancerin Ihr Material natürlich selbst besorgen. Dazu gehören unter anderem:

  • ein Arbeitsplatz,

  • die Miete,

  • Telefon- und Internetkosten,

  • Ausgaben für Arbeitsgeräte,

  • Ausgaben für Softwarelizenzen,

  • Ausgaben für Ihr Marketing,

  • Ausgaben für Büromaterial sowie

  • möglicherweise ein Geschäftsfahrzeug.

Und denken Sie bei Ihrer Kalkulation daran, dass Sie als Freelancer – im Gegensatz zu Angestellten in einem Unternehmen – sämtliche Weiterbildungen selbst bezahlen müssen.

Zudem fallen verschiedene Versicherungen ins Gewicht. Eine Kranken- und Pflegeversicherungen ist für alle Selbstständigen in Deutschland Pflicht. Situativ empfiehlt es sich zudem, eine oder mehrere der folgenden Versicherungen abzuschließen:

  • Arbeitslosenversicherung

  • Unfallversicherung

  • Berufshaftpflichtversicherung

  • Rechtsschutzversicherung

Alle diese Ausgaben machen Monat für Monat natürlich viele Euro aus. Die Zahlen variieren jedoch stark von Branche zu Branche.

Ein weiterer großer Kostenblock für Freiberuflerinnen und Freelancer sind Steuern. Zwar fällt bei Selbstständigen die Lohnsteuer weg, jedoch kommen andere Steuerarten hinzu. Wie hoch diese Zahlen ausfallen, hängt natürlich stark von Ihrem Umsatz und Gewinn ab. Beachten Sie für Ihre Berechnung unsere Steuertipps für Selbstständige.


Vergessen Sie Gewinn und Reserven nicht


Wenn Sie Ihren Stundensatz oder Tagessatz so festlegen, dass Sie bei einer Vollauslastung Ihrer Arbeitstage jeden Monat gerade einmal genügend Geld verdienen, um Ihre Kosten zu decken, werden Sie als Freiberufler bei einer längeren auftragsfreien Zeit vor einem finanziellen Problem stehen. Um dies zu vermeiden, müssen Sie Reserven bilden, indem Sie bei der Kalkulation auf Ihren Stundensatz oder Tagessatz eine Gewinnspanne aufschlagen. Schließlich wollen Sie ja mit Ihrem Umsatz nicht nur einfach Ihre Kosten decken, sondern auch ein wenig Geld verdienen.


Wie hoch dieser Gewinnzuschlag pro Stunde ist, hängt natürlich von Ihrer Branche und der Konkurrenzsituation ab. Sind Sie die einzige IT-Supporterin weit und breit? Dann können Sie auf jeden Fall mehr Euro pro Stunde und damit einen höheren Preis verlangen, als wenn in Ihrer Umgebung zahlreiche IT-Firmen ansässig sind.


Tipps aus der Praxis


Sind Sie erst seit Kurzem als Freelancer tätig? Dann sollten Sie sich mit erfahrenen Freelancerinnen austauschen und Tipps einholen, sodass Sie nicht die für Anfänger üblichen Fehler bezüglich Einkommen, Ausgaben, Geld und Gehalt machen. Möglicherweise werden Sie dann in deren Antworten unter anderem auf folgende Punkte hingewiesen:


Konkurrenzanalyse


Freelancer fragen sich oft, ob sie sich bei der Kalkulation einfach an der Konkurrenz orientieren und deren Stundensätze übernehmen sollen.

Natürlich ist es eine gute Idee, wenn Sie als Freiberuflerin bei der Berechnung Ihrer Stundensätze andere Unternehmen analysieren. Wenn Sie diese Zahlen kennen, wissen Sie, wo Sie mit Ihrem Einkommen, Gehalt und Ihrem Preis im Vergleich stehen und ob Sie mit Ihrem Gehalt wettbewerbsfähig sind.


Den Stundenlohn oder Tagessatz der Konkurrenz eins zu eins zu übernehmen, ist jedoch nicht ratsam. Sie wissen nämlich nicht, wie sich die Kalkulation der anderen Unternehmen zusammensetzt und welche Faktoren bei deren Gehalt eine Rolle spielen.


Andere Arten der Preisgestaltung


Die Berechnung per Stundensatz oder Tagessatz ist für Freiberufler natürlich die einfachste Möglichkeit, um die erbrachten Leistungen als Honorar in Rechnung zu stellen. Doch aus Sicht Ihrer Kunden ist nicht jede Stunde gleich viel Geld wert. Einen Artikel für den Unternehmensblog zu erstellen hat einfach weniger Einfluss auf den Geschäftserfolg Ihres Kunden als die Überarbeitung einer Landing-Page auf der Webseite.


Der Artikel ist nur für ein paar Monate von Nutzen, während die Webseite den Umsatz Ihres Kunden über längere Zeit erhöhen kann. Deshalb sollten Sie für die Webseite in der Regel auch mehr Geld als Honorar in Rechnung stellen können – selbst dann, wenn es sie genau gleich viel Stunden Arbeit gekostet hat wie die Präsentation auf dem Blog.


Hinzu kommt, dass Sie bei der Programmierung der Webseite vielleicht Module verwenden, die Sie bereits in der Vergangenheit programmiert haben und jetzt ganz einfach in wenigen Minuten in die Webseite einbauen können. Wenn Sie jetzt nur die kurze Zeit für den Einbau dieser Module als Honorar in Rechnung stellen, verkaufen Sie sich unter Wert.


In diesem Fall sollten Sie Ihr Know-how verkaufen, nicht Ihre Zeit. Denn am Ende interessiert es Ihre Kunden natürlich nicht, wie lange Sie gearbeitet haben und welcher Preis auf Ihrer Rechnung steht, sondern nur, welchen Mehrwert Sie für das Unternehmen generiert haben.


Unter Umständen ergibt es für Freiberuflerinnen zudem Sinn, den Stundensatz je nach Region zu differenzieren. So können Sie laut dem Freelancer-Kompass bei Unternehmen in Schleswig-Holstein einen deutlich höheren Stundensatz verlangen als in Bremen.

Je nach Projekt empfiehlt es sich für Freiberufler sowieso, keinen Stundensatz zu vereinbaren, sondern einen fixen Betrag für das gesamte Projekt.


Erstellen Sie eine repräsentative Webseite


Eine Webseite, über die Sie sich als Freelancer präsentieren und Ihre Arbeit in einem Portfolio publizieren können, unterstützt Sie natürlich beim Finden von Kunden. Eine Webseite kann Ihren Kunden eine hohe Qualität vermitteln und dazu führen, dass Sie öfter gebucht werden und einen höheren Stundenlohn oder Tagessatz verlangen können.

Viele Freelancerinnen bauen in ihre Webseite zudem einen Blog ein, über dessen Artikel sie sich als Experte auf ihrem Gebiet präsentieren können. Der Kunde wird so zu einem regelmäßigen Vorbeischauen verlockt.


Fazit


Es gibt für Freiberuflerinnen und Freelancer nicht „den einen“ korrekten Stundenlohn oder Tagessatz. Wie viele Euro Sie für Ihre Arbeit verlangen können, ist stark abhängig von Ihrer Erfahrung, der Konkurrenzsituation und sicherlich auch von der Wirtschaftslage.



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